
Die Chronik des Vereins spiegelt den Wandel, den das "Haustier" Biene in den vergangenen 100 Jahren durchgemacht hat. Stand damals noch beinahe hinter jedem Wohnhaus ein Bienenstand, so finden wir sie heute meist außerhalb der Wohnbereiche. War man zu dieser Zeit noch auf den Honig als zusätzliches Nahrungsmittel angewiesen, so ist er heute eher der Lohn für die wenigen Personen, die die Imkerei als Hobby, als Freizeitbeschäftigung, oder auch - allerdings selten - als Haupterwerb betreiben. Zollte die Bevölkerung der Biene damals auch ihres Stachels wegen noch Respekt, so wird sie heute von der Allgemeinheit eher gefürchtet und als störendes Element angesehen, obwohl sie ihrem Wesen nach fast harmlos geworden ist. Ein weiterer bemerkenswerter Wechsel vollzog sich in den 70er Jahren. Nach und nach stellten die Imker ihre Beuten auf Magazine um. Der Grund hierfür liegt einmal in der weniger arbeitsaufwendigen Behandlungsweise und zum zweiten in den leistungsstärkeren Königinnen. Dies führte allerdings auch zu einer Völkerverminderung, da diese nur noch nebeneinander aufgestellt werden konnten.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzten sich neue Erkenntnisse über das Leben der Biene durch, was zur Neugründung vieler Bienenvereine führte. Auch unser Verein zählte zu dieser Gruppe. Zwei Besonderheiten zeichneten diese Neugründung aus, wurde er doch als Doppelverein "Bienenzuchtverein und Obstbauverein" und außerdem in Abtsgmünd gegründet. Die Gründungsversammlung fand am 7. Mai 1893 im "Adler" statt. Die Vorarbeit und Einladung zu dieser Veranstaltung stammten von Schullehrer Elsäßer aus Adelmannsfelden. Er führte auch den Vorsitz und hatte die Statuten, die er den zirka 30 Teilnehmern zur Genehmigung vortrug, zusammengestellt. Der neu gegründete Verein erhielt den Namen "Bezirksverein für Bienenzucht und Obstbau". Die Wahlen erbrachten folgendes Ergebnis:
1. Vorsitzender: Schullehrer Elsäßer aus Adelmannsfelden
Kassier: Postagenditor Seidel aus Abtsgmünd
Ausschußmitglieder: Schultheiß Mühleisen aus Hohenstadt
Schultheiß Heußler aus Adelmannsfelden
Baumwart Angstenberger aus Abtsgmünd
Das Eintrittsgeld betrug 50 Pfennig, der Jahresbeitrag 1,- Mark. Die doppelte Aufgabe des neuen Vereins kam auch dadurch zum Ausdruck, dass die Hälfte der Mitglieder dem Württembergischen Landesverein für Bienenzucht, die zweite Hälfte dem Württembergischen Obstbauverein beitrat. Somit lasen die einen die Bienenpflege, die anderen den Obstbaufreund.
1899 wurde Schullehrer Elsäßer nach Zell versetzt. Sein Nachfolger wurde am 8. April 1900 Lehrer Hoyler aus Wasseralfingen. Schon 1902 wurde Schriftführer Lehrer Geiger aus Aalen zum 1. Vorsitzenden gewählt, und damit auch der Sitz nach Aalen verlegt. Die Jahresversammlungen fanden an verschiedenen Orten des Bezirks statt. Aus dem Jahre 1906 ist berichtet, dass von den 148 Mitgliedern 80 die Bienenpflege lesen.
Bei den Versammlungen mussten jeweils zwei Themenbereiche angesprochen werden. So war es nicht verwunderlich, dass einmal die Imker und das nächste Mal die Obstbauern zu kurz kamen. Aus diesem Zwiespalt erwuchs die Erkenntnis, den Verein zu teilen. Dieser Beschluss wurde am 8. Oktober 1912 im "Rad" in Aalen gefasst.
Nachdem der neue Obstbauverein H. Richter zum 1. Vorsitzenden wählte, ist anzunehmen, dass Lehrer Geiger den Bienenzüchterverein weiterführte. Auch der 1911 gewählte Kassier Weller führte dieses Amt im Bienenverein bis 1924 weiter.
In diesem Jahr wählten ihn die Mitglieder zum 1. Vorsitzenden. Dieses Amt hielt er 25 Jahre bis 1949 inne. Als tüchtiger Imker und geschultes Mitglied übernahm er 1926 auch noch das Amt des Seuchenwartes, welches er erst 1960 in jüngere Hände übergab.
Die Kriegs- und Nachkriegsjahre waren auch für den BV-Aalen kein Honigschlecken. Trotz schlechter Erträge mussten pro Volk bestimmte Mengen an Honig abgeliefert werden, wenn man Zucker oder Wachs beziehen wollte.
Ein Glück war es, dass Vorstand Weller den Verein mit Max Schmid während dieser schrecklichen Zeit führte. So konnte er seine fundierten Kenntnisse auch an jene Imkerfamilien weitergeben, deren "Bienenvater" im Felde er war.
1949 übernahm Herr Staab den Vorsitz im Verein. Sein besonderes Augenmerk galt der Zucht. Nachdem er bemerkt hatte, wie schwer es ist in diesem Punkt alle unter einen Hut zu bringen, änderte er seine Taktik und versuchte es mit der Verdrängungszucht. Je mehr Imker züchterisch tätig sind, desto schneller wird die neue Linie in dieser Gegend durch Schwärme und vor allem durch die Drohnen verbreitet. In den Monatsversammlungen bildeten sich "Züchterecken" und 1954 wurde der Antrag gestellt, die Züchterringe wieder zu neuem Leben zu erwecken. So ist es nicht verwunderlich, dass H. Hinderhofer zur Königinnenzucht beim BV-Aalen einen Vortrag hielt und im Sommer ein Königinnenzuchtkurs durchgeführt wurde. Im Februar 1955 traf man sich in Böhmenkirch mit Frau Weber-Sklenar und absolvierte im Juni einen Zuchtlehrgang, der von 25 Teilnehmern besucht wurde.
Herr Eberle als Obmann für Königinnenzucht wollte die Werte der Zuchtlinien persönlich erkunden und erproben und stellte zu diesem Zweck je drei Völker mit Nigra-, Troiseck- und Carnica-Königinnen auf. Im Jahre 1962 entschied er sich für die Carnica. Einer Weiterführung der Zuchtarbeit stand nichts mehr im Wege, da in der Zwischenzeit die Frage nach dem Lehrbienenstand geklärt war.
"Bekanntlich trägt sich Vorstand Staab schon mehrere Jahre mit der Absicht in Aalen einen LBSt zu erstellen", so steht es unter dem Datum vom 29. Januar 1955. Erst am 16. November 1957 wurde jedoch der erneut vorgebrachte Antrag "mit Beifall angenommen".
Durch die schwere Erkrankung des Antragstellers wurde erst im April 1959 mit Herrn Stöcker Kontakt aufgenommen und ein Kostenvoranschlag eingeholt. Im Juli 1959 wurden verschiedene Plätze besichtigt.
Im März 1962 wurden im Ausschuss die Angebote von Stöcker und Martin beraten und am 8. April 1962 die Errichtung eines LBSt in der Frühjahrsversammlung beschlossen. Bei einer Besichtigungsfahrt fünf Wochen später kam man zu dem Ergebnis, den Auftrag zum Bau eines Standes an H. Höfer aus Oberkochen zu vergeben. Er baute ihn mit den Oberkochener Imkerkameraden auf.
In Gemeinschaftsarbeit unter Führung des künftigen LBSt-Betreuers Brenner wurde der Stand in Westheim unter Mithilfe von M. Schmidt, Fichtner, Fath, Single, Klein, Krause, Staab, Kern, Frank, Kraus u.a. aufgebaut. Der Platz war zuvor mit der Forstverwaltung ausgehandelt worden.
In der Herbstversammlung am 21. Oktober 1963 berichtete H. Staab von sieben gespendeten Völkern, die auf dem Lehrbienenstand stehen. In der Frühjahrsversammlung 1964 konnte H. Staab seine Freude über das gelungene und bezahlte (1000,- DM vom Kreis) Werk ausdrücken und allen Helfern und Spendern danken.
Dass der Stand längst nötig war, zeigt auch die Tatsache, dass gleich ein Anfängerkurs abgehalten wurde. Die ersten LBSt-Betreuer H. Brenner und H. Eberle verkauften auch sofort F1-Königinnen. H. Schmidberger aus Ravensburg hielt für die interessierten Imker einen Königinnenzuchtkurs ab.

Leider konnte H. Brenner aus gesundheitlichen Gründen den Stand nur bis 1964 betreuen. Die Herren Staab, Klein und Frank führten seine Arbeit fort.
In den folgenden Jahren übernahm dann H. Frank den LBSt pachtweise. 1978(9) musste der LBSt renoviert und gestrichen werden. Seit 1985 garantieren die Herren Klein und Winkler für ein reges Bienenleben und eine gute Bienenqualität im Lehrbienenstand. Um den Imkern mehr Möglichkeiten (vor allem beim Ablegerkauf) zu bieten, wurden 1992 die letzten Hinterbehandlungsbeuten durch verschiedenartige Magazine ersetzt.
Der LBSt ist bis zum heutigen Tag ein Treffpunkt für Züchter und Anfänger, ein Ort, an dem Probleme diskutiert und praktische Tipps und Anregungen weitergegeben werden.
Auf mehrfachen Wunsch sollte die Zuchtarbeit im BV-Aalen wieder neu aktiviert werden. Im Beisein vom 1. Vorsitzenden, Karl Ziegelbauer, trafen sich am 11. Oktober 1985 im "Weissen Ochsen" in Aalen 12 an der Zucht interessierte Imker. Zur Leiterin der Gruppe wurde Hildegard Bergen gewählt. Als wichtigstes Ziel wurde die Zucht und die weitere Verbreitung der Carnica-Rasse, gemäss den Zuchtrichtlinien des DIB, anerkannt. Aktive Hilfe im Bemühen um eine unserer klimatischen Lage angepassten Biene erhielt die junge Aalener Gruppe von der ZG Gaildorf. Die Carnica-Linie "Limpurg", eine sanftmütige, schwarmträge, fleissige Biene, ist das Ergebnis ihrer langjährigen, züchterischen Arbeit. So lag es für die Aalener ZG auf der Hand, das erste Zuchtmaterial von den Gaildorfer Kollegen zu beziehen. Die eigenen Völker wurden umgeweiselt und bald stellten sich die ersten Erfolge ein. Dem Antrag des BV-Aalen, die Z-Gruppe als Vermehrungszüchter anzuerkennen, wurde vom LV Württembergischer Imker stattgegeben. Jährlich beteiligt sich die Züchtergruppe mit durchschnittlich 20 Bienenköniginnen an der instrumentellen Besamung des Landesverbandes. Damit verfügt der Verein über ein gutes Potential an Völkern, das zur Auslese einer Nachzucht zur Verfügung steht. Um allen Kriterien der Zucht gerecht zu werden, müsse - neben einer eher subjektiven Beurteilung - die für eine Nachzucht infrage kommenden Völker auch gekört werden. Die dafür notwendigen Grundkenntnisse erwarben sich die Aalener Züchter durch den Besuch von Körkursen. Franz Vogel, Mitglied der ZG, hat ein Untersuchungs-Instrumentarium geschaffen, das eine schnelle und doch exakte Körung der Völker ermöglicht. So ist die Gruppe zuversichtlich, dass es ihr auch künftig gelingen wird, den Imkern des BV-Aalen gutes Zuchtmaterial zur Verfügung zu stellen.
Die Protokollbücher geben einen Einblick in die Arbeit der Imker des Vereins und berichten von Nöten, Problemen, Aktivitäten und Hoffnungen derselben.
So steht beispielsweise im Protokoll der Monatsversammlung vom 3. Oktober 1953: "Das Bienenjahr 1953 ist zu Ende. Wenn es uns auch keinen Ertrag gebracht hat, so hat es uns doch alle an Erkenntnissen und Erfahrungen reicher gemacht und weiter in die geheimnisvolle Welt der Biene eingeführt. Schon das gibt uns den Mut und die Kraft, den Bienen auch weiterhin treu zu bleiben". Diese Aussage, die ein Jahr nach dem seit langem schlechtesten Imkerjahr 1952 gemacht wurde, zeigt, dass die Imker schon immer naturverbunden und hoffnungsvoll gewirkt haben. Die 60-Jahr-Feier, die 1953 wegen der Notlage der Imkerei nicht abgehalten wurde, sollte am 1. August 1954 im Spritzenhaus nachgeholt werden. In der Monatsversammlung des 2. Juli 1954 ist zu lesen: "Im Hinblick auf das überaus schlechte Bienenjahr und die zu erwartende Missernte hat sich der Vorstand veranlasst gesehen, die für August geplante Jubiläumsfeier um ein Jahr zu verschieben". Doch sie wurde nicht nachgeholt.
Auch in den 60er und 70er Jahren blieben die Imker nicht von Sorgen verschont. Die Fortschritte bei der Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft und im Obstbau brachten für die Imker die Schattenseiten, hatten sie doch häufig Grund zu Klagen. So forderte Vorstand Staab in einer Monatsversammlung seine Mitimker auf, nicht nur über Spritzschäden zu sprechen.
Auch die Jahreszahl 1979 blieb den Imkern im Gedächtnis, mussten doch damals 5000 Bienenvölker hessischer Imker getötet werden. Die Ursache dieser Ma゚nahme war die heute allen gut bekannte Varroa-Milbe. Das Oper der hessischen Imker zeigte sich nämlich als umsonst gebracht. Für den BV-Aalen hie゚ es in einer Frühjahrsversammlung 1985: "Nun hat es auch uns erwischt". Gemeint war damit, dass die Varroa nun auch unseren Bezirk erreicht hat. Es dauerte auch eine ganze Zeit, bis sich jeder mit den Behandlungsmethoden und Maßnahmen gegen diesen Parasiten vertraut gemacht hatte.
Protokoll vom 11. April 1955 (Aalen): "Dann kam der Höhepunkt des Tages. Der Ehrenvorstand des Vereins, Herr Oberlehrer i.R. Wilhelm Weller, erhielt die höchste Auszeichnung des Deutschen Imkerbundes. Er wurde zum 'Ehren-Imkermeister des Deutschen Imkerbundes' ernannt. Diese seltene Auszeichnung wird nur an besonders verdiente Männer verliehen."
In der Laudatio dankte man dem beinahe 80jährigen Weller für seine 54jährige Tätigkeit als Imker, für die Vorstandschaft in Tuttlingen, für 13 Jahre Tätigkeit als Kassier, für seine 25 Jahre Dienst als Vorstand sowie seine 34jährige Arbeit als Bienensachverständiger.
Am 8. Mai 1960 erhielt der Ehrenvorstand Weller dafür noch das Zeidlermännchen.


Der BV-Aalen scheint immer die richtigen Personen als Vorstand zu haben. 1914 begann Johann Staab seine Laufbahn als Imker. Er trat drei Jahre später in den Verein ein und galt als wissbegieriger und eifriger Anfänger. Seine erworbenen Kenntnisse machte sich der Verein zu Nutze und bestellte ihn schon 1939 zum Bienensachverständigen. 10 Jahre später übertrug ihm der Verein die Aufgabe des 1. Vorsitzenden. Dieses Amt füllte er mit "beispielhaftem Elan, Ausdauer, Energie und Idealismus" (Zitat: Max Schmid). Als bleibendes Vermächtnis seines Wirkens steht heute in Westheim unser Lehrbienenstand, dessen Betreuer er auch mehrere Jahre war. Für seine Arbeit überreichte ihm H. Ziegelbauer, als Beirat des Landesverbandes Württemberg, 1973 das Zeidlermännchen. Schon 1968 hatte ihn der LV mit dem Zinnteller mit Gravur geehrt. Der Aalener Verein ernannte ihn 1974 zum Ehrenvorstand.